Abschlußbericht

 

 

an die Gemeinden des Landkreises Starnberg sowie den Gemeinden Gräfelfing, Neuried und Planegg

 

 

über das Projekt

 

 

 

Risikoanalyse

Kleiner Fuchsbandwurm im Bereich der Gemeinden im Landkreis Starnberg sowie den Gemeinden Gräfelfing, Neuried und Planegg im Landkreis München

 

 

 

vorgelegt von:

Dr. Andreas König

Dr. Thomas Romig

Fachgebiet für Wildbiologie und Wildtiermanagement

Parasitologie 220 B

Wissenschaftszentrum Weihenstephan, TU-München

Universität Hohenheim

Am Hochanger 13

Emil-Wolff Str. 34

D-85354 Freising

D-70599 Stuttgart

Tel: 08161-714605

Fax: 08161-714615

Mobil: 0171-1423591

Email: koenig@forst.tu-muenchen.de

Tel: 0711-459-3076

Fax: 0711-459-2276

Mobil:

Email: romig@uni-hohenheim.de

 


Gliederung

 

1      Einleitung. 3

2      Methode. 5

2.1       Sammlung der Proben. 5

2.2       Untersuchungsmethoden. 5

2.2.1        Sektion - Abstrich. 5

2.2.2        Koproantigen-ELISA.. 6

3      Ergebnisse. 7

3.1       Sektion - Abstrich. 7

3.1.1        Differenzierung nach Gemeinden. 7

3.1.2        Räumliche Gliederung der Befallsraten. 9

3.2       Ergebnisse Koprodiagnostik. 12

4      Vergleich Koproantigen-ELISA (Chekit-Echinotest®) mit Abstrichmethode. 12

5      Diskussion und Bewertung der Ergebnisse. 14

6      Literaturverzeichnis. 16

 


 

 

 

 

 

1           Einleitung

 

Seit Anfang der 90'iger Jahre haben Füchse in Mitteleuropa Städte und Dörfer als Lebensraum erobert. Sie sind dort vergleichsweise häufig, zeigen nur geringe Scheu vor dem Menschen. Dies wird durch Berichte von Bürgern auch für aus mehreren Gemeinden des Landkreises Starnberg und München bestätigt.

Gleichzeitig hat die Prävalenz des „Kleinen Fuchsbandwurmes“ bei den Füchsen in Süd­­deutschland erheblich zugenommen. Dieser Bandwurm kann beim Menschen die schwere Erkrankung „alveolare Echinokokkose“ auslösen.

Zahlreiche Daten belegen, dass das Erkrankungsrisiko für den Menschen nicht nur von der allgemeinen Befalls­rate, sondern auch von der räumlichen Nähe zu den übertragenden Tieren (Füchsen) abhängt. Füchse, die im Gemeindebereich leben, sind daher als besonderes Risiko zu betrachten. Durch häufige Sicht­kontakte von Füchsen und die Ungewissheit über die aktuelle Band­wurm­befallsrate der Füchse findet sich im Landkreis Starnberg und München eine größere Zahl beunruhigter Bürger.

Aus Sorge um die Gesundheit der Bürger beauftragte Bürgermeister Dieter Hager (Krailling) im Auftrag der beteiligten Gemeinden Dr. Andreas König vom Fach­­gebiet Wildbiologie und Wildtiermanagement der TU - München, stell­ver­tretend für das Projektteam, eine Risikoanalyse über die Befallsraten von Füchsen mit dem „Kleinen Fuchsbandwurm“ durchzuführen.

 

Ziel der Risikoanalyse war die Erhebung der Befallsrate von Füchsen mit dem „Kleinen Fuchsbandwurm“ im Landkreises Starnberg sowie den Gemeinden Gräfelfing, Neuried und Planegg

 

 

 

Auftraggeber

·      Gemeinde im Landkreis Starnberg sowie Gräfelfing, Neuried und Planegg vertreten durch den 1. Bürgermeister

 

Förderung

·      Bayerische Staatsministerium für Gesundheit, Ernährung und Verbraucherschutz mit 30 % der Kosten

 

Auftragnehmer

Arbeitsgruppe Fuchsprojekt Starnberg bestehend aus:

·        Fachgebiet Wildbiologie und Wildtiermanagement der Technischen Universität München vertreten durch Prof. Dr. Wolfgang Schröder

·        Fachgebiet Parasitologie der Universität Hohenheim vertreten durch Prof. Dr. Ute Mackenstedt

 

Projektleitung und Koordination

·        Dr. Andreas König, FG Wildbiologie und Wildtiermanagement  der TU München

·        Dr. Thomas Romig, FG Parasitologie der Universität Hohenheim

 

Projektmitarbeiter

·        Janosch, Arnold, FG Wildbiologie und Wildtiermanagement  der TU München

·        Kerstin Kellermann, FG Wildbiologie und Wildtiermanagement  der TU München

·        Dorothea Thoma, FG Parasitologie der Universität Hohenheim


2           Methode

2.1         Sammlung der Proben

Nach Erhalt des Projektauftrages wurde in allen Ge­meinden durch Presse­mitteilungen und öffentlichen Veranstaltungen das Projekt vor­gestellt. Hierbei wurde Jäger, Bürger sowie Polizei und Forst­ver­waltungen um Unterstützung ge­beten. Speziell die Jägerschaft wurde aufgefordert, innerhalb und außerhalb der Ort­schaften die Fuchs­be­jagung mit dem Ziel zu intensivieren, ausreichend Tiere zur Untersuchung zu erhalten. Die Bürger wurden angehalten, Fuchsbe­ob­ach­tungen an das Projektteam zu melden. Weiterhin wurden sie um Unter­stützung beim Fang von Füchsen innerhalb der Ortschaften gebeten.

Über das Untersuchungsgebiet verteilt wurden Sammelstellen für erlegte oder tot auf­gefundene Füchse in Feldafing, Gilching, Krailling, Inning, Starnberg und Seefeld eingerichtet. Hier standen Gefriertruhen von den Gemeinden bzw. vom Projektteam in denen die erlegten Füchse gesammelt wurden. Neben diesen Fuchs­­sammelstellen konnten während der Dienstzeiten des Landratsamtes Starnberg im Veterinäramt Füchse abge­geben werden. An den Sammelstellen lagen Verpackungsmaterial sowie Einweg­hand­schuhe kostenlos für die Jäger aus.

2.2          Untersuchungsmethoden

Um die Befallsraten der Füchse mit dem „Kleinen Fuchsbandwurm“ feststellen zu können, wurden zwei unterschiedliche Methoden angewendet. Bei der Ab­­strich­­methode wurden die Tiere seziert und anschließend Abstriche der Dünndarm-Schleimhaut durchgeführt (Kap. 2.2.1). Die Koproantigen-Elisa Methode konnte zu­sätzlich bei Füchsen angewendet werden, die in ihrem Enddarm Kot auf­wiesen (Kap. 2.2.2). 

2.2.1        Sektion - Abstrich

Es handelt sich hierbei um eine etablierte, evaluierte und zeitsparende Methode zum direkten mikroskopischen Nachweis von E. multilocularis im Darm sezierter Füchse.

Nach Entfernung grober Bestandteile des Inhalts aus dem eröffneten Dünndarm werden 15 Abstriche der Mucosa mit Hilfe von Glas-Objektträgern vor­ge­nommen. Diese werden auf quadratische Petrischalen (9 x 9 cm) platziert und unter dem Stereomikroskop bei ca. x 12 Vergrößerung durchgemustert (Deplazes et Eckert, 1996; Eckert et al., 2001). Die Methode erlaubt eine 100% spezifische Diagnose, eine semi-quantitative Erhebung der Befallsintensität und die Fest­­stellung des Entwicklungsstadiums der Parasiten (patent – präpatent). Im Ver­­gleich zur zeitaufwendigen Sedimentations-Methode (dem „Gold­standard“) wird für die Abstrichmethode eine Sensitvität von 78% angegeben (Hofer et al., 2000).

 

2.2.2        Koproantigen-ELISA

Der Testkit Chekit Echinotest® (Bommeli AG; Vertrieb: Intervet Deutschland GmbH)) ist der einzige gegenwärtig kommerziell erhältliche koprodiagnostische Test für E. multilocularis im Endwirt.

Die Sensitivität für Echinococcus spp. wird vom Hersteller mit 90% angegeben (Eckert et al., 2001). Eine sichere Differenzierung zwischen E. multilocularis und E. granulosus ist nicht möglich. Der Test leitet sich ab von einem an der Universität Zürich entwickelten Koproantigen-ELISA auf der Basis polyklonaler Kaninchen- und Hühnerei-Antikörper, dessen Sensitivität bei der Untersuchung von Fuchs­kot in Abhängigkeit von der Befallsintensität zwischen 95% (>100 Würmer pro Fuchs) und 61% (<100 Würmer pro Fuchs) liegt (Deplazes et al., 1999). Die Intensitäts-Abhängigkeit ist auch beim Chekit Echinotest® gegeben (mdl. Mittlg. K. Tackmann, BFAV Wusterhausen). Neben der Diagnostik rektal entnommenen Kots finden Koproantigen-ELISA Tests auch Anwendung bei der Untersuchung von abgesetztem Fuchskot (Raoul et al., 2001; Stieger et al., 2002).

 


3           Ergebnisse

3.1         Sektion - Abstrich

Von den Jägern sowie vom Projektteam wurden bis Ende Februar 2003 286 Füchse im Untersuchungsgebiet bzw. 263 im Landkreis Starnberg gesammelt.  Hier­von waren im Untersuchungsgebiet 268 bzw. im Landkreis Starnberg 249 Tier untersuchungsfähig. Von diesen waren 51 % (bzw. 55 % LKR Starnberg) von dem Kleinen Fuchs­band­wurm befallen.

 

Tabelle 1: Befallsrate im Untersuchungsgebiet bzw. im Landkreis Starnberg

Gebiet

Anzahl Füchse

untersuchungsfähige Füchse

Befallsrate

 Konfidenzintervall

(95%, beidseitig)

Untersuchungsgebiet

286

268

51 %

 45-57%

Landkreis Starnberg

263

249

55 %

 47-61%

 

Im Vergleich hierzu wurden vom Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (2002) zwischen 1.12.88 und 31.10.02 222 Füchse auf den „Kleinen Fuchsbandwurm“ untersucht. Die Befallsrate dieser Tiere liegt nur bei 32 %.

3.1.1        Differenzierung nach Gemeinden

Diese Ergebnis muß jedoch nach Gemeinden differenziert betrachtet werden, da sich hinsichtlich der Befallsraten mit dem Kleinen Fuchsbandwurm lokal er­hebliche Unterschiede ergaben:


 

Tabelle 2: Befallsrate nach Gemeinden differenziert

Gemeinde

Anzahl Füchse

untersuchungsfähige Füchse

Befallsrate

Standardfehler

Andechs

15

13

85 %

+-10 %

Berg

17

16

69 %

+- 12

Feldafing

4

4

50 %

+- 29 %

Gauting

75

71

39 %

+- 6 %

Gilching

14

13

77 %

+- 6%

Herrsching

13

13

85 %

+- 10%

Inning

6

5

80 %

+- 20 %

Krailling

24

24

21 %

+- 8 %

Pöcking

3

3

100 %

+- 0 %

Seefeld

21

20

80 %

+- 9 %

Starnberg

17

15

47 %

13 %

Tutzing

39

37

43 %

+- 8%

Weßling

3

3

100 %

+- 0 %

Wörthsee

12

12

75 %

+-13%

Gräfelfing

0

0

 

 

Neuried

17

15

7 %

+- 7 %

Planegg

2

2

0 %

+- 0 %

Summe

282

266

52 %

+- 3%

 

Die unterschiedlichen Gesamtsummen von Tabelle 1 und Tabelle 2 ergeben sich aus dem Umstand, dass einige Tiere nicht eindeutig einem Gemeindegebiet zugeordnet werden konnten Mit Ausnahme der Gemeinden Gräfelfing (kein Fuchs) und Planegg (zwei Füchse) wurde in jeder Gemeinde des Unter­suchungs­ge­bietes der „Kleiner Fuchsbandwurm“ nachgewiesen (Tabelle 2). Die Ergebnisse aus den Gemeinden Feldafing, Inning, Pöcking sowie Weßling müssen ebenfalls als vorläufig betrachtet werden, da auch hier ein sehr geringe Stichprobendichte vor­liegt.

Unter Berücksichtigung des Standardfehlers wurden die höchsten Befallsraten (85%; n = 26) in den Gemeinden Andechs und Herrsching gefunden; unter Berücksichtigung der Probenzahl liegt die tatsächliche Befallsrate hier mit 95% Wahrscheinlichkeit zwischen 64% und 96% (Konfidenzintervall – Cannon und Roe, 1990). Der geringste Befall mit 7 % wurde in der Gemeinde Neuried fest­ge­stellt. Am Westufer des Starnberger Sees lagen die Befallsraten zwischen 40 und 50 %. Dagegen weiß die Gemeinde Berg am Ostufer mit 69 % Prävalenz ebenfalls einen relativ hohen Wert auf.

3.1.2        Räumliche Gliederung der Befallsraten

Auf Grund des teilweise geringen Datenumfangs für manche Gemeindegebiete ist es sinnvoll, größere Flächen zusammenzufassen. Das Untersuchungsgebiet lässt sich so in 6 Bereiche unterteilen:

1.      Befallsraten zwischen 1 und 10 %: Neuried

2.      Befallsraten zwischen 11 und 30 %: Stockdorf, Krailling und Planegg [1]

3.      Befallsrate zwischen 31 und 50 %: Tutzing, Feldafing, Pöcking, Starnberg und Gauting [2]  

4.      Befallsraten zwischen 51 und 70 %: Berg

5.       Befallsraten über 70 %: Andechs, Herrsching, Seefeld, Inning Weßling Wörthsee und Gilching

6.      ohne Daten: Gräfelfing

 

 

 

Tabelle 3: Räumliche Zusammenfassung der Befallsraten

Gruppe

Anzahl Füchse

untersuchungs-fähige Füchse

Befallsrate

Standard-fehler

Konfidenz-intervall (95%)

1

17

15

7 %

+- 6 %

-

2

30

29

21 %

+- 7 %

8-40%

3

134

127

43 %

+- 4 %

34-52%

4

17

16

69%

+- 12%

-

5

84

79

81 %

+- 4%

70-89%

Gesamt

282

266

52%

+- 3%

46-58%

 

Ganz im Westen (Abbildung 1) liegt ein Streifen mit sehr hohen Befallsraten (81%) zwischen den Gemeinden Andechs und Gilching. Die mittlere Befallsrate beträgt hier 81 % (Tabelle 3). Nach Osten schließ ein Gebiet an, das westlich vom Starnberger See begrenzt wird und sich von der Gemeinden Tutzing bis nach Gauting erstreckt. Die mittlere Befallsrate beträgt hier 43 %. Hieran schließ im Norden der Siedlungsbereich von Stockdorf über Krailling, Planegg an mit einer Befallsrate von 21 %. Einzeln verbleiben die Gemeinden Berg mit 69 % und Neuried mit 7 % Prävalenz.

Da von Gräfelfing keinerlei Daten vorliegen wird die Gemeinde keiner räumlichen Gruppe zu geordnet.

 

Abbildung 1: Räumliche Verteilung der Prävalenz von Echinococcus multilocularis bei Füchsen im Untersuchungsgebiet


 

3.2         Ergebnisse Koprodiagnostik

 

Bei 184 von insgesamt 282 untersuchten Füchse (inkl. 14 Tieren von ausserhalb des Untersuchungsgebietes) konnten Proben von Rektalinhalt entnommen werden, die mit Hilfe des Chekit-Echinotest® auf Koproantigene hin untersucht wurden. Dabei traten bei Proben von zusätzlichen 8 Tieren aus dem Untersuchungsgebiet (bei denen keine Würmer während der Sektion zu finden waren) positive Reaktionen auf. Darunter können sich sowohl unspezifische Reaktoren befinden, als auch gering gradig befallene Tiere, deren Würmer bei der Sektion übersehen wurden.

 

4           Vergleich Koproantigen-ELISA (Chekit-Echinotest®) mit Abstrichmethode

 

Um zusätzliche Evaluierungsdaten zum verwendeten Test zu erhalten, wurden die beiden Methoden anhand der Füchse (n = 184), von denen Rektalinhalt zu gewinnen war, verglichen. Dabei ergaben sich folgende Prävalenzen:

Tabelle 4: Gegenüberstellung der Sektions- und ELISA Ergebnisse

 


nur Sektion/Abstrich:                102/184         55% (95%KI: 47-63)

nur Koproantigen-ELISA          75/184           41% (95%KI: 34-49)

kumulativ                        110/184         60% (95%KI: 52-67)

 

Um Unspezifitäten aufgrund von Kreuzreaktionen mit anderen im Fuchsdarm vorhandenen Cestoden (Taenia crassiceps, T. polyacantha, Mesocestoides leptothylacus, M. sp.) abschätzen zu können, wurde das ELISA-Ergebnis nach vier Gruppen geschichtet:


 

Tabelle 5: Schichtung der ELISA-Ergebnisse

 

Gruppe           Sektionsergebnis                 n                      ELISA-Ergebnis

 


Echino-          andere                                   positiv            negativ

coccus

/grenzw.         Cestoden                              (n)                   (n)

 

 


I                       negativ           negativ           39                   4                     35

 

II                      negativ           positiv            43                   4                     39

 

III                     positiv            negativ           24                   14                   10

 

IV                    positiv            positiv            78                   53                   25

 

 

 

 

Daraus ergibt sich eine Sensitivität des ELISA gegenüber der Abstrichmethode von 66%, die allerdings stark von der Befallsintensität (Wurmbürde) abhängt:

Tabelle 6: Sensitivität des ELISA

 


n Würmer            n Füchse        n positiv         Sensitivität

 


1-10                    32                   13                   41 %

 

11-100                41                   27                   66 %

 

> 100                  29                   27                   93 %

 


gesamt               102                 67                   66%

 

 


5           Diskussion und Bewertung der Ergebnisse

Sowohl die Populationsdichte von Füchsen als auch deren Befall mit dem Kleinen Fuchsbandwurm haben in den vergangenen 15 Jahren in Mitteleuropa so drastisch zugenommen, dass heute zumindest regional mit einem Anstieg des Fuchsbandwurm-Vorkommens um den Faktor 10 gerechnet wird (Romig et al., 1999; Romig, 2002). Diese zeitlichen Verschiebungen sind gut dokumentiert für Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Thüringen und Niedersachsen, sowie für Regionen in Ostfrankreich. Nach unveröffentlichten Beobachtungen findet gegenwärtig ein vergleichbarer Anstieg der Befallsraten in Polen, Tschechien, der Slowakei und Österreich statt (Malczewski, Martinek, Dubinsky, Prosl, mdl. Mttlg.).

Für Bayern liegen nur wenige Veröffentlichungen älteren Datums vor, die alle zu Zeiträumen durchgeführt wurden, die vor oder zu Beginn der drastischen Fuchs­ver­mehrung durchgeführt wurden. So ermittelten Vos und Schneider (1993) eine Befallsrate von 28% bei 241 Füchsen, die zwischen 1989 und 1992 im Landkreis Garmisch-Partenkirchen untersucht wurden. Zeyhle et al. (1990) berichten über 15% befallener Füchse (n = 259) aus verschieden Regionen Bayerns im Zeitraum 1974-1984. Nothdurft et al. (1996) fassen Daten des Landesuntersuchungsamtes Oberschleißheim für den Zeitraum 1988-1994 zusammen, und korrelieren diese Daten aus dem Fuchs mit der Häufigkeit von Alveoläre Echinokokkose-Patienten. Am stärksten befallen waren dabei Füchse aus den Regierungs­bezirken Schwaben und Oberbayern (44% bzw. 31%), was gut mit der Zahl von AE-Patienten korrelierte.

Die vorliegende Arbeit deutet darauf hin, dass diese Daten als überholt zu gelten haben und der Anstieg der Befallsrate in Bayern – wie in den benachbarten Ländern – inzwischen stattgefunden hat oder noch stattfindet. Wie die lokal sehr unterschiedlichen Befallsraten innerhalb des Untersuchungsgebietes zeigen, spielen aber zusätzlich zur regionalen Situation kleinräumig eine Reihe von Faktoren eine Rolle, die für den Infektionsdruck auf den Menschen von entscheidender Bedeutung sind. Obwohl die in dieser Studie erhobenen Daten für eine sichere Faktorenanalyse nicht ausreichen, scheint die Befallsrate mit dem Grad der Bebauungsdichte korreliert zu sein: je ländlicher die Struktur, desto höher die Befallsrate. Dieser Zusammenhang ist auch aus anderen Regionen bekannt (z. B. Stieger et al., 2002) und wird auf die unterschiedliche Ernährung von „ländlichen“ und „urbanen“ Füchsen zurückgeführt. Allerdings ist mittler­weile bekannt, dass Füchse gerade im dicht bebauten Bereich in erheblich größerer Zahl vorkommen als in der freien Landschaft. Deshalb dürfte auch bei geringerer Befallsrate die absolute Zahl parasitierter Tiere ähnlich hoch sein, zusätzlich aber auch dem engeren Kontakt zum Menschen eine Bedeutung zukommen. Eine verbesserte Kenntnis dieser Zusammenhänge ist somit von entscheidender Bedeutung, um Strategien zur Verringerung der Infektionsgefahr für die Bevölkerung entwickeln zu können.

 

Fazit

1) Der Befallsrate der Füchse mit dem Kleinen Fuchsbandwurm ist im Untersuchungsgebiet erheblich höher, als nach bisher verfügbaren Daten zu vermuten war.

2) Der Parasit tritt überall im Gebiet auf, sowohl im ländlichen als auch im urbanen Bereich.

3) Die Befallsraten sind lokal sehr unterschiedlich, was vermutlich auf verschiedene Nahrung (Anteil der Mäuse) in unterschiedlichen Habitat-Typen zurückzuführen ist.

4) Die Ermittlung dieser Zusammenhänge, einschließlich der relativen Zahl der Füchse je nach Lebensraum, ist von entscheidender Bedeutung, um in den Übertragungszyklus eingreifen zu können und das Infektionsrisiko für die Bevölkerung zu senken.

6           Literaturverzeichnis

 

Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (2002) Statistiken. Dienststelle Oberschleißheim, Oberschleißheim

Cannon RM, Roe RT (1990) Krankheitsüberwachung in Tierbeständen (deutsche Übersetzung und Bearbeitung von RJ Lorenz). AID, Bonn

Deplazes P, Eckert J (1996) Diagnosis of the Echinococcus multilocularis infection in final hosts. Applied Parasitology 37, 245-252

Deplazes P, Alther P, Tanner I et al. (1999) Echinococcus multilocularis coproantigen detection by enzyme-linked immunosorbent assay in fox, dog and cat populations. J Parasitol 85, 115.121

Eckert J, Deplazes P, Craig PS et al. (2001) Echinococcosis in animals: clinical aspects, diagnosis and treatment. In: Eckert J, Gemmell MA, Meslin FX, Pawlowski ZS (eds.): WHO/OIE manual on echinococcosis in humans and animals: a public health problem of global concern. World Organization for Animal Health, Paris, 72-99

Hofer S, Gloor S, Müller U, Mathis A, Hegglin D, Deplazes P (2000) High prevalence of Echinococcus multilocularis in urban red foxes (Vulpes vulpes) and voles (Arvicola terrestris) in the city of Zürich, Switzerland. Parasitology 120, 135-142

Nothdurft HD, Jelinek T, Mai A, Sigl B, Sonnenburg F v, Löscher T  (1996) Epidmiologie der Alveolären Echinokokkose in Süddeutschland (Bayern). RKI-Hefte 14/1996, 44-50

Raoul F, Deplazes P, Nonaka N et al., (2001) Assessment of the epidemiological status of Echinococcus multilocularis in foxes in France using ELISA coprotests on fox faeces collected in the field. Int J Parasitol 31, 1579-1588

 

Romig T, Bilger B, Dinkel A, Merli M, Mackenstedt U (1999)  Echinococcus multilocularis in animal hosts: new data from western Europe. Helminthologia 36, 185-191

 

Romig T (2002)  Spread of Echinococcus multilocularis in Europe? In: Craig P, Pawlowski Z             (eds.): Cestode Zoonoses:  Echinococcosis and Cysticercosis. IOS Press, Amsterdam, 65-80

Stieger C, Hegglin D, Schwarzenbach G et al. (2002) Spatial and temporal aspects of urban transmission of Echinococcus multilocularis. Parasitology 124, 631-640

Vos A, Schneider L (1994) Echinococcus multilocularis-Befall beim Rotfuchs (Vulpes vulpes) im Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Tierärztliche Umschau 49, 225-232

Zeyhle E, Abel M, Frank W (1990) Epidemiologische  Untersuchungen zum Vorkommen von Echinococcus multilocularis bei End- und Zwischenwirten in der Bundesrepublik Deutschland. Mitt. Österr. Ges. Tropenmed. Parasitol. 12, 221-232



[1] Planegg und der Ortsteil "Stockdorf" werden der Gruppe "2" zu geordnet, da die Übergänge zwischen Stockdorf, Krailling und Planegg fließend sind.

[2] Ohne Stockdorf