28.11.2012 11:23 Alter: 5 yrs

Forschung zum Reizdarmsyndrom: Oskar Medizin-Preis 2012 geht an TUM-Professor

Prof. Dr. Michael Schemann vom Lehrstuhl für Humanbiologie der Technischen Universität München (TUM) am Wissenschaftszentrum Weihenstephan bekommt für seine langjährigen Forschungen zum Reizdarmsyndrom den Oskar Medizin-Preis 2012. Er teilt sich die Auszeichnung, die mit 50.000 Euro Preisgeld zu den höchstdotierten Medizinpreisen Deutschlands zählt, mit einer Professorin des Universitätsklinikums Essen.

Farbenreigen unterm Mikroskop - Nerven (orange eingefärbt), Mastzellen (rot), Lymphozyten (grün) und Makrophagen (blau) in der menschlichen Darmschleimhaut (Bild: Michael Schemann / TUM)

Der hoch dotierte Oskar Medizin-Preis wird seit 2010 jährlich von der Stiftung Oskar-Helene-Heim verliehen, deren Zweck die Förderung der Wissenschaft und Forschung ist. Der diesjährige Preis wird geteilt und an zwei Forscher vergeben: Der eine Preisträger ist Prof. Dr. Michael Schemann von der TUM, die andere Preisträgerin ist Prof. Dr. Sigrid Elsenbruch, Inhaberin einer von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Heisenberg-Professur für Experimentelle Psychobiologie am Universitätsklinikum Essen. Die beiden hochrangigen Wissenschaftler werden für ihre wegweisenden Forschungen über den Einfluss des Nervensystems auf Erkrankungen im Magen-Darmbereich ausgezeichnet. 

Michael Schemann, der am Wissenschaftszentrum Weihenstephan der TUM forscht und lehrt, hat in langjähriger Arbeit Methoden zur Untersuchung der Aktivität menschlicher Darmnerven entwickelt.  Dadurch konnte eine Assoziation zwischen peripherer Nervensensibilisierung und Reizdarm aufgezeigt werden. Die gezielte Untersuchung solch nervaler Störungen in Routinegewebsproben soll helfen, neue Ansätze für die Diagnostik und Therapie funktioneller Darmerkrankungen zu entwickeln. Sigrid Elsenbruch analysiert am Universitätsklinikum Essen mit Hilfe bildgebender Verfahren den Zusammenhang zwischen Emotionen, Kognitionen und der Schmerzverarbeitung im zentralen Nervensystem. Ihre Forschungen sind auf die Auswirkungen bei Reizdarmpatienten und Gesunden ausgerichtet.

Beide Wissenschaftler sind damit ganz nah an der Praxis: Denn mehrere Millionen Menschen sind allein in Deutschland vom Reizdarmsyndrom betroffen. Dies hat die Stiftung Oskar-Helene-Heim zum Anlass genommen, den Oskar Medizin-Preis 2012 für herausragende wissenschaftliche Leistungen zu diesem Thema zu vergeben: „Die Verleihung erfolgt an zwei Preisträger, deren Forschungen hochrangig international publiziert wurden und die mit unterschiedlichen wissenschaftlichen Methoden wegweisende Erkenntnisse über Funktionen und Erkrankungen im Magen-Darm-Bereich erbracht haben. Mit dem Preisgeld wird ein Anschub für weitere Forschungen ermöglicht werden. Die vorgelegten Arbeiten zeigen Wege für eine bessere Diagnostik und Therapie derartiger Erkrankungen auf“, begründen Prof. Gabriele Moser aus Wien und Prof. Thomas Frieling aus Krefeld - Mitglieder der diesjährigen Jury - die Entscheidung.

 

Hintergrund:
Die Stiftung Oskar-Helene-Heim, gegründet 1966, unterstützt Forschungsprojekte und andere gemeinnützige gesundheitsfördernde Vorhaben, verleiht Stipendien und vergibt jährlich den Oskar Medizin-Preis und die Helene-Medaille. Die Stiftung ist darüber hinaus Teilhaber am HELIOS Klinikum Emil von Behring im Berliner Südwesten. Die Wurzeln der Stiftung reichen zurück ins Jahr 1905, als der Industrielle Oskar Pintsch gemeinsam mit seiner Ehefrau Helene einen Verein gründete, dessen Ziel die Heilung, Ausbildung und Überwachung junger Menschen mit gesundheitlichem Handicap war.

Kontakt:
Prof. Dr. Michael Schemann
Technische Universität München
Lehrstuhl für Humanbiologie
85350 Freising-Weihenstephan
Tel. 08161 / 71-5483
Fax: 08161 / 71-5785
E-Mail: schemann[at]wzw.tum.de
http://humanbiology.wzw.tum.de/