16.11.2017 23:05 Alter: 214 days

TUM@Freising: Gelungener Auftakt der neuen Vortragsreihe im Herzen der Altstadt

Die Stadt Freising und der "grüne" Campus Weihenstephan der Technischen Universität München (TUM) sind seit jeher gute Nachbarn. Am 15. November 2017 kam die TUM erstmals direkt in die Stadt: Im Rathaus Freising beging man unter reger Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger den Auftakt der neuen Vortragsreihe "TUM@Freising: Wissenschaft – erklärt für ALLE". Nach einer Einführung der beiden Veranstalter, Stadt Freising und Technischer Universität München, sprach Prof. Harald Luksch, Inhaber des Lehrstuhls für Zoologie, über das spannende Feld der Bionik, das an der TUM interdisziplinär beforscht wird.

Der Große Sitzungssaal des Rathauses Freising war zum Auftakt von TUM@Freising mit rund 150 Besucherinnen und Besuchern mehr als gut gefüllt. (Foto: R. Lex)

Der Große Sitzungssaal des Rathauses Freising war zum Auftakt von TUM@Freising mit rund 150 Besucherinnen und Besuchern mehr als gut gefüllt. (Foto: R. Lex)

Geballte "TUM-Power" (v.l.n.r.): Zum Auftakt der Vortragsreihe referierte Prof. Harald Luksch über Bionik, Ideengeberin Prof. Ilona Grunwald Kadow moderierte den Abend. Prof. J. Philipp Benz (TUM-Professur für Holz-Bioprozesse) hatte sie im Vorfeld intensiv bei der Konzeption unterstützt. (Foto: R. Lex)

Geballte "TUM-Power" (v.l.n.r.): Zum Auftakt der Vortragsreihe referierte Prof. Harald Luksch über Bionik, Ideengeberin Prof. Ilona Grunwald Kadow moderierte den Abend. Prof. J. Philipp Benz (TUM-Professur für Holz-Bioprozesse) hatte sie im Vorfeld intensiv bei der Konzeption unterstützt. (Foto: R. Lex)

Der Große Sitzungssaal des Rathauses Freising war bis auf den letztmöglichen Platz gefüllt: Neben geladenen Vertreterinnen und Vertretern aus der Freisinger Politik, Wirtschaft sowie Kultur und Bildung hatten sich weit über hundert interessierte Bürgerinnen und Bürgern eingefunden, vom Jugendlichen bis zum Senior. Die Stadtgesellschaft wollte dabei sein, als der Oberbürgermeister der Stadt Freising, Tobias Eschenbacher, und der Dekan des TUM-Wissenschaftszentrums Weihenstephan (WZW), Prof. Thomas Becker, die gemeinsame Veranstaltungsreihe TUM@Freising direkt im Herzen der Altstadt eröffneten.

Großer Publikumsandrang im Großen Sitzungssaal

Rund 150 Besucherinnen und Besucher wohnten der Auftaktveranstaltung bei. Hausherr OB Eschenbacher war überwältigt von der Menge des Publikums im Großen Sitzungssaal: "Das zeigt, dass es genau die richtige Idee ist, uns Freisingerinnen und Freisingern zu zeigen, was an der TUM eigentlich geforscht wird." Auch WZW-Dekan Becker reagierte angesichts der vollen Sitzreihen und dicht gedrängten Stehplätze mit freudiger Überraschung: "Wir sind zwar Erfolg gewohnt an der TUM – aber mit so einem Erfolg haben wir nicht gerechnet!"

Leidenschaft in der Forschung, Begeisterung bei der Vermittlung

Zu Beginn des Abends skizzierte Becker nochmals die Ziele von TUM@Freising: Mit der neuen Vortragsreihe wolle die Universität zeigen, wie breit am TUM-Campus Weihenstephan geforscht werde und dass all diese Themen angesichts einer rapide steigenden Weltbevölkerung für die Zukunft der Menschheit essentiell seien. Man wolle der Stadtgesellschaft nahebringen, wie wichtig Innovation sei und zugleich Ängsten begegnen, zum Beispiel bei der Grünen Biotechnologie.

Im Gegensatz zu früheren Generationen "ist es uns heute wichtig, unsere Forschung an Sie heranzutragen, ein Stück weit für Sie zu übersetzen. Wir wollen Sie mitnehmen!", fasste der WZW-Dekan zusammen. Prof. Ilona Grunwald Kadow (TUM-Professur für Neuronale Kontrolle des Metabolismus) ergänzte als Ideengeberin der Reihe und Moderatorin des Abends: "Wir lieben was wir machen, und wir wollen mit Ihnen in Dialog treten. Kommen Sie auf jeden Fall wieder und bringen Sie Ihre Freunde mit!"

Bionik – faszinierender Brückenschlag von Biologie und Technik

Schließlich übernahm Prof. Harald Luksch, Inhaber des TUM-Lehrstuhls für Zoologie und Leiter des Leonardo da Vinci-Zentrums für Bionik an der Technischen Universität München. Sein Vortrag "Bionik an der TUM – Vorbilder der Natur für technische Lösungen" nahm alle Zuhörerinnen und Zuhörer mit in die spannende Welt der Wissenschaft. Lebhaft schilderte Luksch, wie Bionik sich der Inspiration aus der Natur bedient und versucht, die Erkenntnisse zunächst grundlegend zu systematisieren und später in technische Anwendungen zu "übersetzen".

Als Beispiele nannte er u.a. die Klette, die Mitte des 20. Jahrhunderts zum Vorbild für den gleichnamigen Klettverschluss wurde (und später von der TUM zu einer Stahl-Version für Industriezwecke weiterentwickelt worden ist), die "wasseroptimierte" Form von Fischkörpern, welche den englischen Schiffsbau schon Mitte des 16. Jahrhunderts revolutionierte sowie die Schwingen der Vögel, die dem Erfinder Otto Lilienthal als Vorlage für die Tragflächenkonstruktion seines Flugapparates dienten.

Technische Lösungen finden, wo man sie nicht gesucht hat

Die große Stärke der Bionik sei aber nicht die reine Imitation der Natur. "Faszinierend ist, dass sie vielmehr oft genau dort Lösungen anbietet, wo man sie als Ingenieur gar nicht vermutet", so Luksch. Etwa, wenn man in der nicht zielgerichteten, biologischen Grundlagenforschung feststelle, dass die Mikrostruktur der rauen Haifischhaut kontrollierte Wasserwirbel erzeugt, die das Tier schneller schwimmen lassen als Meeresbewohner mit glatter Haut. Aus dieser - für den gesunden Menschenversand zunächst widersinnigen - Beobachtung entwickelte die Industrie einen der Haihaut nachempfundenen "Schnellschwimm-Anzug", der auch Menschen im Wasser deutlich beschleunigen kann. Später wurde das Haifischhaut-Prinzip auch auf Klebefolien übertragen, die den Luftwiderstand von Flugzeugen auf die gleiche Weise verringern können.

An der TUM sei so ein Brückenschlag zwischen Biologie und Ingenieurwesen schon häufiger gelungen, etwa bei der Entwicklung von künstlicher Spinnenseide, die fester ist als Stahl oder beim Exoskelett, das Gelähmte kraft ihrer Gedanken steuern können. Mit diesen und weiteren Beispielen (eine Übersicht über die bionische Forschung an der TUM gibt es in der Broschüre "Bionik") faszinierte Luksch das Publikum derart, dass auch die Stehplätze im Saal bis zum Schluss besetzt blieben.

Ausklang bei guten Gesprächen und Getränken

Im Anschluss an den Vortrag bildete sich eine lange Schlange von Interessierten bei Prof. Luksch, die ihm Einzelfragen stellten, während andere Besucherinnen und Besucher das angeregte Gespräch mit seinen anwesenden Doktoranden oder untereinander suchten, erfrischt von einem frisch gezapften "TUM-Jubiläumsbier" und zwei weiteren Sorten "made by TUM" aus der Uni-eigenen Forschungsbrauerei.

Nächsten Vortragstermin vormerken: 18. Januar 2018

Ausgehend von diesem gelungenen Auftakt werden ab jetzt regelmäßig führende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom TUM-Campus Weihenstephan ihre interessantesten Forschungsarbeiten präsentieren - eingängig, unterhaltsam und gut verständlich. Die kostenlose Vortragsreihe geht am 18. Januar 2018 mit dem Thema "Mensch und Mikrobe – wie Mikroorganismen unsere Gesundheit beeinflussen können" (Prof. Dirk Haller, TUM-Lehrstuhl für Ernährung und Immunologie) in die zweite Runde.

Ab 2018 werden alle Vorträge im Lindenkeller stattfinden – symbolträchtig auf halbem Wege zwischen Stadt und Campus.

 

Weitere Informationen:
Zur Vortragsreihe TUM@Freising: http://freising.wzw.tum.de/index.php?id=2
Zum Bionik-Vortrag vom 15.11.2017: http://freising.wzw.tum.de/index.php?id=11&tx_ttnews%5Btt_news%5D=1&cHash=b6b3776cb9f4ef99789270629e352d67
Zu den weiteren Vortrags-Terminen im Winter und Frühling 2018: http://freising.wzw.tum.de/index.php?id=17
Anmeldung zum Erinnerungs-Service für TUM@Freising: http://freising.wzw.tum.de/index.php?id=17#c16