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Projektgruppe Wildnis - Wildnis als kulturelle Idee
Die Projektgruppe untersucht die Vielschichtigkeit von
Wildnis als aktuell und historisch wichtige kulturelle Idee.
In der Gesellschaft lässt sich heute ein enorm gesteigertes Interesse
an Natur und Landschaft in Form von Wildnis beobachten. Das zeigt sich
vor allem in einer Konjunktur von Freizeitaktivitäten wie "Abenteuerurlaub"
und verschiedenen Extremsportarten, aber auch in der Werbung, in pädagogischen
Konzepten und in Gestaltungen der Landschaftsarchitektur.
Unser Ausgangspunkt ist, dass die Landschaftsplanung darauf nicht angemessen
reagieren kann. Das liegt daran, dass sie in den letzten Jahrzehnten ein
Selbstverständnis als angewandte Ökologie entwickelt hat. Sie hat sich
als interdisziplinäres Fach zwar neben Ökologie auch eine Reihe anderer
wissenschaftlicher Disziplinen für ihre Zwecke erschlossen, z. B. empirische
Soziologie und Psychologie, Kulturwissenschaften aber kaum. Doch ohne
Kenntnis der kulturellen Ideen insbesondere zu dem zentralen Gegenstand
der Landschaftsplanung, "Landschaft", kann nicht verstanden werden, was
die Menschen in erster Linie an dieser interessiert: etwa ihre Schönheit,
ihre heimatliche Vertrautheit oder auch, dass sie in ihrem Kontrast zu
den Zwängen der Zivilisation Freiheitserlebnisse bietet.
Die Vernachlässigung des kulturellen Aspekts führt die Landschaftsplanung
heute in eine Schwierigkeit: Die überkommene Stadt-Land-Trennung löst
sich in wesentlichen Aspekten auf. Damit ist für die Landschaftsplanung
die Trennung von definitionsgemäß auf die Stadt bezogenen oder wenigstens
faktisch auf sie konzentrieren Disziplinen, insbesondere Städtebau und
Stadtplanung sowie Landschaftsarchitektur/Freiraumplanung, in Frage gestellt,
ebenso umgekehrt. Eine engere Verbindung ist aber nur möglich, wenn das
Selbstverständnis der Landschaftsplanung nicht mehr das einer angewandten
Naturwissenschaft ist.
Das Thema Wildnis eignet sich sehr gut als fokussierende Untersuchungsperspektive
für dieses heterogene Feld der auf Landschaft im weitesten Sinn bezogenen
Disziplinen. So wie das Thema Wildnis sich eignet, das zentrale Problem
der Landschaftsplanung, ihr naturwissenschaftlich, d. h. auf Ökologie
reduziertes Selbstverständnis anzugehen, so eignet sich das heterogene
Aufgabenfeld der Landschaftsplanung (wenn man sie nicht auf Naturschutzplanung
einengt), Wildnis in ihrer Vielschichtigkeit zu thematisieren. Die Idee
der Wildnis in der ganzen Breite des landschaftsplanerischen Aufgabenfeldes
zum Gegenstand zu machen, bietet daher die Gelegenheit, sie sowohl in
ihrer Einheit als auch in ihrer Differenziertheit zu untersuchen.
Mitglieder
Gisela Kangler
Dissertation zum Thema:
"Die Entdeckung, der Wandel und die Entstehung des Bayerischen Waldes als Wildnis.
- Von der schrecklichen Waldwildnis zum bedrohten Waldökosystem." (Arbeitstitel)
Ursula Schuster
Dissertation zum Thema:
"Von der ehrfurchtgebietenden Urlandschaft zum dynamischen Ökosystem. Der Wandel
der Bedeutung von Wildnis in der deutschen Naturschutzgeschichte." (Arbeitstitel)
Andrea Siegmund
Post-Doc-Arbeit zum Thema:
"Die Idee der Wildnis in der europäischen Gartentheorie und -praxis." (Arbeitstitel)
Vera Vicenzotti
Dissertation zum Thema:
„Zwischenstadt: Stadt, Kulturlandschaft oder Wildnis? Eine Analyse unterschiedlicher
Lesarten“
Abschlussarbeiten
Schwarzer, Markus (2007):
"Wald und Hochgebirge als Idealtypen von Wildnis — Eine kulturhistorische
und phänomenologische Untersuchung vor dem Hintergrund der Wildnisdebatte in
Naturschutz und Landschaftsplanung"
Betreuer Ludwig Trepl & Vera Vicenzotti
Diplomarbeit
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Hoheisel, Deborah (2005):
"Berge und Dschungel. Unterschiedliche Typen von Wildnis und die Gründe, sie
aufzusuchen - ein Vergleich von Reinhold Messner und Rüdiger Nehberg."
Betreuer Ludwig Trepl & Vera Vicenzotti
Bachelorarbeit
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Putzhammer, Simon (2005):
"Ekel und Naturwahrnehmung."
Betreuer Ludwig Trepl & Vera Vicenzotti
Bachelorarbeit
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Vicenzotti, Vera (2005):
"Stadt und Wildnis. Die Bedeutung der Wildnis in der konservativen Stadtkritik
Wilhelm Heinrich Riehls."
Betreuer Ludwig Trepl
Diplomarbeit
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Mann, Renate (2004):
"Wilde Weiblichkeit und weibliche Wildnis. Ein Beitrag zur ideengeschichtlichen
Rekonstruktion des Dilemmas des männlichen Subjekts."
Betreuer Ludwig Trepl
Diplomarbeit
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Ziegler, Ursula (2002):
"Prozessschutz vor dem Hintergrund der Ideengeschichte des Naturschutzes."
Betreuer Ludwig Trepl
Diplomarbeit
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Praxenthaler, Judith (1996):
"Wildnis. Von Ort des Schreckens zum Ort der Sehnsucht nach der Vergöttlichung
- die Idee der Wildnis vor dem Hintergrund der Veränderung des Naturverständnisses
in der Neuzeit."
Betreuer Ludwig Trepl
Diplomarbeit
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