english version deutsche Version
Startseite
Lebenslauf
Arbeitsschwerpunkte
Projekte
Veröffentlichungen
Vorträge
Lehre
Mitgliedschaften
Öffentlichkeitsarbeit
Links
Kontakt
   

„Kulturlandschaftswandel und Kulturlandschaftsentwicklung auf der Nördlichen Frankenalb“
 
Gegenstand des Projekts 

Das reale Landschaftsbild der "Fränkischen Schweiz" entspricht immer weniger den Vorstellungen, die Einheimische und Touristen seit über 150 Jahren (und bis heute!) mit dem Begriff verbinden. Verdient die "Fränkische Schweiz" ihren Namen überhaupt noch? 

Üblicherweise wird bei den gesetzlich vorgeschriebenen Landschaftsplänen das Leitbild für Schutz, Pflege und Entwicklung der Kulturlandschaft allein der aktuellen Situation entlehnt. Die laufende Studie sieht - als wichtige Ergänzung dazu - eine parzellenscharfe Analyse der historischen Landschaftsstruktur und -entwicklung vor. Der neue Ansatz ermöglicht es, den heutigen Zustand der Landschaft zu erklären und zu bewerten. Auf dieser Basis können alternative Pflege- und Entwicklungsmöglichkeiten unabhängig von Klischees diskutiert werden. 

Untersuchungsgebiet

Die Nördliche Frankenalb bildet einen Mittelgebirgsraum (Jura-Kalktafel), der hinsichtlich der Flächennutzung noch weitgehend land- und forstwirtschaftlich geprägt ist. Dabei repräsentieren die exemplarisch ausgewählten Gemarkungen Siegritz (Markt Heiligenstadt i.Ofr., Lkr. Bamberg), Wüstenstein (Markt Wiesenttal, Lkr. Forchheim) und Zochenreuth (Gmd. Aufseß, Lkr. Bayreuth) mit insgesamt neun Ortsfluren das physisch-geographische Landschaftsinventar (Talraum, Albtrauf und Zentrum der verkarsteten Hochfläche) und beinhalten eine große Zahl der für die nördliche Frankenalb (im traditionellen Sinne) typischen Landschaftselemente. 

Projektziel

Erfassung und Erklärung der Eigenart der Kulturlandschaft auf der Nördlichen Frankenalb, ihrer Entwicklungstendenzen und -potentiale sowie Vorschläge zur Umsetzung von (alternativen) Entwicklungszielen. Die Eigenart der Landschaft wird geprägt durch typische Kombinationen von Landschaftsbausteinen, vorwiegend belebte als Ausprägungen der Vegetation, wie z.B. Wacholderheiden, sowie i.w.S. vom Menschen gebaute, wie z.B. Wiesenbewässerungssysteme. Diese Landschaftsbausteine sind zum überwiegenden Teil entstanden durch die einem zeitlichen Wandel unterworfene Kulturtätigkeit des Menschen, speziell der Agrarbevölkerung. Deshalb werden wirtschaftliche, soziale und kulturelle Faktoren als Erklärungsmuster in die Untersuchung einbezogen. Dabei ist die Relativität des "typischen Landschaftsbildes" im Verlauf der historischen Entwicklung herauszustellen: Was war früher typisch, als die Fränkische Schweiz ihren Namen erhielt? Was ist heute typisch? Was empfindet der Tourist als "typisch", der Einheimische als "Heimat"? 

Aus der historischen nutzungs- und sukzessionsbedingten Entwicklung und den derzeitigen sozio-ökonomischen Rahmenbedingungen kann eine Prognose des künftigen Kulturlandschaftswandels abgeleitet werden. Eine Bewertung des Ist-Zustandes der Kulturlandschaft dient als Grundlage für Vorschläge zu künftigen Entwicklungsmaßnahmen. Die Kulturlandschaftsbewertung und das Kulturlandschaftsmanagement sollen an funktionalen Teilzielen (Förderung von Landwirtschaft, Freizeit- und Fremdenverkehr, Natur- und Landschaftsschutz) und Leitbildern (etwa: Historische Kulturlandschaft, Moderne ertragsorientierte Kulturlandschaft, Moderne historisierende Kulturlandschaft, Naturlandschaft, Naturschutzlandschaft) orientiert werden, die zunächst alternativ und schließlich integrierend zu diskutieren sind.

Methoden

Grundarbeiten: Digitalisieren der Flurkarte als Grundlage für parzellenscharfe kartographische Darstellungen, Beschaffung von Archivmaterial; 

Bestandsanalyse: Befragung; Kartierung der physiognomischen Landschaftsstruktur (Vegetationstypen, Pflanzengesellschaften, Rote Liste-Arten sowie "gebaute" Elemente) und der Nutzungsstruktur - aus Luftbildern und v.a. im Gelände; fotografische Dokumentation, Bestands- und Analysekarten (mit ArcView GIS), textliche  Darstellung; 

Rekonstruktion: Erforschung der historischen Entwicklung von Nutzungsstruktur, physiognomischer und rechtlicher (Parzellen)-Struktur; Auswertung von historischen Flurkarten und TK, Kataster, Statistiken, Literatur und von historischem Bildmaterial etc.; Kartierung historischer Landschaftselemente (Relikte) im Gelände; 

Darstellung: Historisches Bild- und Planmaterial, Querschnittskarten zu verschiedenen Zeitpunkten, Veränderungskarte, Text.

Erste Ergebnisse

Aus der historischen nutzungs- und sukzessionsbedingten Entwicklung und den derzeitigen sozio-ökonomischen Rahmenbedingungen kann eine Prognose des künftigen Kulturlandschaftswandels abgeleitet werden. Zwei wesentliche Prozesse der bisherigen Landschaftsentwicklung auf der Nördlichen Frankenalb wurden genauer betrachtet: der ältere Prozeß der Umwandlung von Halbtrockenrasen (Egerten/ Hutungen) in Kiefernwald, und der jüngere, aktuelle Prozeß der Extensivierung, Nutzungsaufgabe und drohenden Aufforstung der Talgründe. Mit der forstlichen Umwandlung der ertragsschwachen Bauern-Kiefernwälder wird ein weiteres Charakteristikum der derzeitigen Landschaft verloren gehen. Der Bestand des Ackerlandes ist bei der derzeitigen Nachfrage auf dem Pachtmarkt zumindest kurz- und mittelfristig noch gewährleistet. Nach den Ergebnissen eines Pilotprojekts "Landwirtschafts- und landschaftsverträgliche Aufforstung" der Regierung von Oberfranken beschränken sich die Aufforstungswünsche der Landwirte weitgehend auf entlegene Parzellen mit geringer Bodenqualität. Wie lange das so bleibt, hängt im wesentlichen von betriebsinternen Faktoren wie dem Vollzug des Generationswechsels bei der Hofnachfolge und von externen Faktoren wie dem Einfluß des außerlandwirtschaftlichen Arbeitsmarktes ab. Grundsätzlich ist festzustellen, daß die jüngere Generation die Landwirtschaft immer mehr nach rein betriebswirtschaftlichen Aspekten betreibt und unrentable Arbeiten wie das Bewirtschaften ertragsschwacher und entlegener Flurstücke aufgibt.

Trends und Ausblick

Die Bemühungen der öffentlichen Hand zur Steuerung der Landschaftsentwicklung weisen durchaus Erfolge auf. Ein Erhalt der wenigen noch verbliebenen Wacholderheiden, eine Wiederherstellung von Sichtbezügen durch Felsfreistellungen und das Offenhalten der Wiesentäler ist ohne staatliche Finanzhilfe nicht mehr denkbar. Mittel- bis langfristig erscheint folgendes - gemäßigtes - Szenario nicht unrealistisch: Die Landwirtschaft in relativen Ungunsträumen wie auf der nördlichen Frankenalb übernimmt zunehmend neue Aufgaben (extensive oder biologische Nahrungsmittelproduktion, Aufwaldung, Pflege ausgesuchter Landschaftsteile). Dabei kommt es letztlich zum Entstehen "neuer Landschaften", deren Formenkanon noch nicht in allen Einzelheiten vorhersehbar ist. Doch muß dieser Vorgang durch Landschaftsplanung vorbereitet und koordiniert werden. Ein solcher Plan verfolgt als Leitbild den Erhalt und die Entwicklung der charakteristischen Landschaft als wichtigstes Kapital durch enge Zusammenarbeit von Naturschutz, Landwirtschaft und Fremdenverkehr. Generell wird in der Planungswissenschaft und -praxis die Frage nach der Umsetzung der Planung immer stärker in den Vordergrund geholt. Dabei ist völlig klar, daß man auf der Fränkischen Alb einen Landschaftsplan nicht gegen, sondern nur mit den Landwirten umsetzen kann.

Oliver Bender & Hans Jürgen Böhmer


 

Free counter and web stats