Versuchsstation Viehhausen
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Aktuelles Jahresheft

Informationen zur Tierhaltung

Aktuelle Situation der Legehennenhaltung in Deutschland

Der Bereich der Legehennenhaltung befindet sich in Deutschland in einer gravierenden Umbruchphase. Die Neufassung der Legehennenverordnung zieht praktisch ein Verbot der klassischen Käfighaltung ab 2007 nach sich. Ab diesem Zeitpunkt dürfen Legehennen nur noch in alternativen Haltungssystemen wie Boden- und Freilandhaltung bzw. in ausgestalteten Käfigen untergebracht werden. Im Bereich des Ökologischen Landbaus ist eine Haltung mit Grünauslauf bereits grundsätzlich vorgeschrieben. Hier dürfen vorhandene Stallungen ohne Grünauslauf als Übergangslösungen nur noch bis 2010 genutzt werden.

Im Moment stellt die Käfighaltung mit einem Anteil von fast 80 % (vgl. Abbildung ) die dominierende Haltungsform dar. In Zukunft ist folglich eine starke Ausweitung der alternativen Haltungssysteme zu erwarten. Legehennenhaltung 2004
Quelle: Statistisches Bundesamt 2005
 
Die bisher angewandten Systeme der Boden- und Freilandhaltung sind aber noch mit vielen Problemen in den Bereichen Tierverhalten und -gesundheit, Produktqualität, Wirtschaftlichkeit oder Auswirkungen auf die Umwelt behaftet. Konkrete Beispiele sind verstärktes Federpicken und Kannibalismus, Ammoniakemissionen, Belastung der Freilaufflächen mit Nährstoffen und Parasiten oder ein erhöhter Anfall an Schmutzeiern.
Die im Vergleich zur Käfighaltung artgerechteren Aufstallungssysteme der Boden- und Freilandhaltung sind auch nicht gleichzusetzen mit niedrigen Bestandesgrößen. So werden z.B. in der Freilandhaltung 66 % der Tiere in Beständen von über 30.000 je Betrieb gehalten. Es zeichnet sich somit auch bei diesen Haltungsformen eine Tendenz ab, die eine Konzentration der Legehennenhaltung auf einige wenige Großbetriebe erwarten läßt.

 

Legehennenhaltung in Viehhausen

Seit 1998 wird an der Versuchsstation Viehhausen die ökologische Hennenhaltung in Boden-, seit 2002 zusätzlich in Freilandhaltung praktiziert.

Bodenhaltung mit überdachtem Auslauf
Zwei Gruppen mit jeweils 550 Tieren sind in einem nach den Richtlinien des Ökologischen Landbaues umgebauten Altgebäude untergebracht. Die Tiere können sich im gesamten, mit Stroh eingestreuten Stall frei bewegen, und haben einen überdachten Auslauf (Kaltscharraum), in dem sie scharren und picken können. Die Besatzdichte beträgt ca. 5 Hühner je m². Da im Ökologischen Landbau in Zukunft Freilandhaltung vorgeschrieben ist darf dieser Stall nur noch bis 2010 betrieben werden.



Foto: Müller


Foto: Dinzinger
Mobiles Stallsystem zur Freilandhaltung
Seit dem Juni 2002 ist ein sogenannter "Mobilstall" für 900 Tiere in Betrieb. Bei dem hier betriebenen System der Freilandhaltung besitzen die Tiere dauerhaften Zugang zum Grünauslauf. Die Besatzdichte beträgt 5 Tiere/m², im Grünauslauf stehen jeder Henne 4 m² pro Tier zur Verfügung. Um den Tieren von Zeit zu Zeit frische Weideflächen anzubieten kann der komplette Stall inklusive Einrichtung und Schlechtwetterauslauf verzogen werden. Eine genauere Beschreibung des Mobilstalls ist im anschließenden Text zu finden.

Weitere Informationen über Kennzahlen und Leistungsdaten der bisher an der Versuchsstation Viehhausen gehaltenen Gruppen stehen im Bereich "Praktische Landwirtschaft" zur Verfügung.





Forschung im Bereich Legehennenhaltung

Als Gegenstand der Forschung im Bereich der Legehennehaltung werden folgende Fragen betrachtet:
  •  Inwiefern wirken sich die Haltungsbedingungen auf die Tiergesundheit und das Tierverhalten (Federpicken, Kannibalismus) aus?
  • Wie lässt sich die Nutzung des Grünauslaufs und der Nährstoffaustrag bei Freilandhaltung beurteilen und optimieren?
  • Wie beeinflussen unterschiedliche Fütterungsstrategien im biologischen Betrieb die Legeleistung und die Gesundheit der Tiere?
  • Besteht zwischen den verschiedenen Haltungssystemen ein Unterschied bezüglich der Produkthygiene?
  • Welchen Einfluß haben Haltung und Herkunft auf die Legeleistung?
  • Ermittlung von Bau- und Haltungskosten sowie ökonomische Beurteilung unterschiedlicher Verfahren.

Da es zu dem Betriebszweig Legenhennenhaltung im ökologischen Landbau nur wenige Untersuchungen gibt, besteht von Seiten der Anbauverbände und der Berater im ökologischen Landbau eine große Nachfrage nach gezielten Untersuchungen in diesem Bereich. 


1. Forschungsschwerpunkt "Naturnahe Haltungssysteme für Legehennen" (Mobilstall)

Seit Juni 2002 ist an der Versuchsstation Viehhausen ein mobiles Stallsystem zur Freilandhaltung von Legehennen in Betrieb. Mit diesem Mobilstall sollen Antworten auf aktuelle und zukünftige Problemstellungen in der Legehennenhaltung gefunden werden.
Durch die Neufassung der Legehennenverordnung und das Verbot der Käfighaltung ab 2007 ist eine starke Nachfrage nach geeigneten, artgerechten Haltungsalternativen zu erwarten. Der hier beschriebene Mobilstall kann dabei als interessante Alternative im Bereich der Freilandhaltung betrachtet werden. Mit ihm wird versucht, sowohl den Belangen des Tierschutzes als auch der Wirtschaftlichkeit gerecht zu werden.

Beschreibung des Mobilstalls

Bei dem Stallsystem handelt es sich um eine Leichtbau-Konstruktion aus verzinkten Metallelementen, Seitenwänden aus Sandwich-Paneelen und einer isolierten Dachplane. Die gesamte Konstruktion liegt auf zwei verzinkten Längsträgern auf. Zur Veränderung des Standorts wird der Stall mit einem Schlepper, ähnlich einem Schlitten, auf diesen Trägern verzogen. Das System des mobilen Stalls wird seit mehreren Jahren erfolgreich in der Geflügelmast eingesetzt.
An die Südseite des Mobilstalls schließt sich ein überdachter Kaltscharraum an, der ebenfalls wie der Stall bei Bedarf verzogen werden kann. Über den Kaltscharraum erfolgt der direkte Zugang zum Grünauslauf. Mit diesem Übergangsbereich zwischen Stall und Grünfläche wird bei schlechten Witterungsbedingungen der direkte Eintrag von feuchten Bodenpartikeln und Schmutz in den inneren Stallbereich vermindert.


Montage des Mobilstalls
Foto: Kimmelmann

Mobilstall mit Kaltscharraum
Foto: Dinzinger

Inneneinrichtung
Den Tieren steht im Stall ohne dem sich anschließenden Kaltscharraum eine begehbare Fläche von mindestens 180 m² zur Verfügung. Bei einem Tierbesatz von 900 Tieren beträgt die Besatzdichte damit ca. 5,0 Tiere/m².
Um die erforderliche begehbare Fläche zu erreichen, ist in den Stall eine einstöckige Voliere Marke BOLEG der Firma Rihs-Agro eingebaut. Die 2 m breite und ca. 17 m lange Konstruktion ist auf zwei an den Rahmen montierten Stahlträgern befestigt. Die Voliere besteht aus einer Gitterrostfläche mit darüber liegenden Sitzstangen, integrierter Bandfütterung und Nippeltränken. Durch ein Kotband unter der Gitterrostfläche wird ein großer Teil des Hühnerkots erfasst und zwei mal pro Woche abtransportiert.
Legenester sind in Form von Gruppennestern in Doppeletagen an einer der Seitenwände bereitgestellt. Die Nestkästen sind über Stützen auf einem der äußeren und einem weiteren auf dem Boden aufliegenden Stahlträger befestigt. Mit den Stützen können Unebenheiten des Bodens auszugleichen werden. Die Eier werden über ein elektrisches Eiersammelband erfasst und zu einem kleinen abgesperrten Bereich an der Stallfront transportiert.
Die gesamte Stallgrundfläche, inklusive des Bereichs unter der Voliere und den Nestern ist für die Tiere als potentielle Scharrfläche zugänglich. Der Stall besitzt keinen Boden, die Einstreu wird direkt auf den gewachsenen Untergrund aufgebracht. Da ca. 80% des im Stall anfallenden Hühnerkots durch die Entmistungsbänder erfasst werden, ist mit keiner starken Kotbelastung des Scharraums zu rechnen. Der gesamte Stall ist durch seine wärmegedämmte Außenhülle gegen Niederschläge und die Bildung von Kondenswasser geschützt. Damit ist eine Entstehung von Sickerwasser und die Verlagerung von gelösten Nährstoffen, vor allem Nitrat, nicht zu befürchten.
Der Innenraum ist durch eine Gitterkonstruktion in zwei gleich grosse Hälften geteilt. Damit können zwei Gruppen mit jeweils 450 Tieren für vergleichende wissenschaftliche Untersuchungen unter identischen Bedingungen gehalten werden.


Voliere
Foto: Dinzinger

Legenester
Foto: Dinzinger

Auslaufbereich
Als Auslauffläche steht den Tieren ein abgesperrter Bereich von 50 x 90 m zur Verfügung. Zugang zum Grünauslauf erhalten die Tiere über den Kaltscharraum. Bei extremen Witterungsbedingungen (Schnee, Dauerregen) wird der Zugang zum Grünauslauf zeitlich beschränkt oder ganz unterbunden.
Im Grünauslauf sind in regelmäßigen Abständen mobile Unterstände für die Tiere bereitgestellt. Diese dienen zum einen dem Schutz vor Greifvögeln und Hitze. Zum anderen bewirken sie eine Strukturierung des Geländes, mit der eine bessere Verteilung der Tiere im gesamten Auslauf erreicht werden soll.


Grünauslauf des Mobilstalls
Foto: Dinzinger


 
Versetzen des Mobilstalls
Foto: Dinzinger

Bewegen des Stalls


Nach dem Ende einer Legeperiode mit einer Dauer von ca. 11 Monaten wird der Stall von seinem alten Standort entfernt. Bei trockenem Untergrund reicht dazu ein 120 PS Schlepper, der den Stall mit Stahlseilen an den vier Längsträgern zieht. Im Außenbereich werden auch der Kaltscharraum und die Futtersilos an den neuen Standort bewegt.
Die Einstreu und der nicht durch die Kotbänder erfasste Kot bleiben am alten Standort liegen, und können ohne Probleme mit einem Frontlader entfernt werden. Je nach Zustand der vorherigen Stallgrundfläche erfolgen auf dieser Fläche Bodenbearbeitungsmaßnahmen, sowie eine umgehende Ansaat. Unter Umständen bietet sich auch die Einarbeitung von Einstreu und Kot in den Boden, und eine Nutzung der Fläche durch Getreide oder Sonderkulturen an.


Fazit

Durch das mobile Stallsystem soll die bäuerliche Hühnerhaltung in tierschutzgerechten Aufstallungssystemen gestärkt werden. Dies gilt für ökologische und integriert wirtschaftende Betriebe gleichermaßen. Für kleinere landwirtschaftliche Betriebe kann das mobile Stallsystem bei vertretbarem Investitionsbedarf eine wichtige Einkommensquelle darstellen. 
Das mobile Stallsystem ermöglicht nicht nur eine rasche Ausdehnung tier- und umweltgerechten Hühnerhaltung, sondern trägt somit auch der wachsenden Nachfrage im Rahmen der Regionalvermarktungsinitiative Rechnung.
Weitere Vorteile bietet das mobile Stallsystem in beengter Hoflage, denn so können trotzdem die geforderten 4 qm Auslauf pro Huhn realisiert werden. 



Verbundprojekt "Naturnahe Betriebs- und Haltungssysteme für Legehennen"

Seit September 2003 wird am Mobilstall der Versuchsstation Viehhausen das Verbundprojekt „Naturnahe Betriebs- und Haltungssysteme für Legehennen“ durchgeführt. An dem durch das Bayerische Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz gefördertem, fächerübergreifendem Verbundprojekt sind mehrere Institute der TU München, der LMU München sowie der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) beteiligt. Untersucht werden dabei verschiedene Themen, wie Tierhygiene und –gesundheit, Produktqualität, spezielle Fütterungsstrategien sowie das Tierverhalten und die Auslaufnutzung.


Teilprojekt  Systembeurteilung, Projektkoordination
Lehrstuhl für Wirtschaftslehre des Landbaues an der TUM
Prof. Dr. A. Heißenhuber, Ludwig Dinzinger

„Gesamtbeurteilung des Mobilen Haltungssystems für Legehennen“

Gesamtbeurteilung des untersuchten Systems zur Freilandhaltung von Legehennen:
  • Untersuchung der Investitions- und Produktionskosten sowie Beurteilung der wirtschaftlichen Aspekte des Systems.
  • Ressourcenökonomische Bewertung des Haltungssystems.
  • Beurteilung der technischen Umsetzung und Realisierbarkeit des Systems.
  • Ermittlung der Aussichten eines umfangreichen Einsatzes des Systems in der Praxis.
  • Vergleich mit anderen Haltungssystemen, wie der ebenfalls an der Versuchsstation durchgeführten Bodenhaltung sowie ausgestalteten Käfigen


Teilprojekt Tierhygiene und Tiergesundheit 1
Lehrstuhl für Tierschutz, Tierhygiene und Tierhaltung  an der LMU
Prof. Dr. M. Erhard, Morana Le Bris

„Verhalten und Gesundheit unter besonderer Berücksichtigung des Immun­systems bei der Haltung von Legehennen in alternativen Haltungssystemen“

In Freilandhaltung lebende Hennen nutzen ihren angebotenen Auslauf nur, wenn dieser mit attraktiven Unterschlupfmöglichkeiten bestückt ist und ihnen ausreichend Deckung vor Feinden (Greifvögel) bietet. Dadurch wird das ursprüngliche Sozialverhalten der Tiere ermöglicht, sie können Stress, Rangkonflikte und deren Folgen leichter vermeiden.
In diesem Teilprojekt wird an der Versuchsstation Viehhausen eine in zwei Gruppen à 450 Tiere aufgeteilte Herde in identisch großen Ausläufen betrachtet. Dabei wird eine mit acht Deckungselementen strukturierte Auslauffläche mit einer nicht strukturierten Weide verglichen. Parallel dazu werden die in einem Volierestall an der LMU München eingestallten Hennen derselben Hybridlinie untersucht. Hier werden die Tiere bei sonst identischen Bedingungen in unterschiedlicher Besatzdichte (4,5; 9; 13,5; 18 Tiere/m²) gehalten.
Im Laufe der Legeperiode werden die Tiere in vielerlei Hinsicht untersucht: Besonderen Wert legt die Studie dabei auf das Verhalten, v.a. auf Federpicken und Kannibalismus. Regelmäßige Bonitierungen der Hennen dienen der Erfassung sozialer Rangauseinandersetzungen, z.B. Hackwunden und sonstige Verletzungen. Der Gesundheitsstatus wird durch physiologische Parameter wie Blutbild, Ca/P Verhältnis und Immunglobuline bestimmt, die alle 2 Wochen über das Eidotter mittels ELISA getestet werden. In gleichmäßigen Abständen werden zudem Kotproben entnommen, und auf Parasiten geprüft. Legeleistung, Eigewichte, sowie die Schalendicke und Bruchfestigkeit werden regelmäßig begutachtet, nach der Legeperiode werden Knochendichte und –festigkeit, sowie evtl. Organveränderungen erfasst.


Teilprojekt Tierhygiene und Tiergesundheit 2
Institut für Physiologie, Physiologische Chemie und Tierernährung an der LMU
Prof. Dr. M. Stangassinger, Prof. Dr. T. Göbel

„Untersuchungen zum Immunstatus und der immunologischen Belastung von Tieren in verschiedenen Haltungssystemen“

Ziel des Teilprojektes ist es, Methoden zum Nachweis von Stress- bzw. Belastungsreaktionen des Abwehrsystems bei Legehennen zu erarbeiten, mit deren Hilfe die immunologische Stressreaktion bei Tieren in verschiedenen Haltungssystemen und bei Tieren unterschiedlicher Rassen untersucht werden können. Dabei sollen nicht-invasive Methoden entwickelt werden, die routinemäßig eingesetzt werden können, um das Wohlbefinden der Tiere zu überprüfen. Es handelt sich also primär um die Methodenentwicklung, zur vergleichenden Untersuchung des Immunstatus und der immunologischen Belastung von Tieren verschiedener Haltungsformen.


Teilprojekt Ethologische Bedingungen naturnaher Haltungssysteme
Institut für Landtechnik, Bauwesen und Umwelttechnik,
Institut für Tierhaltung und Tierschutz
an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft
Dr. B. Haydn, Rudolf Peis, Dr. K. Reiter

 „Akzeptanz der Auslaufmöglichkeiten bei Freilandhaltung“

Ziel dieses Teilprojektes ist die Erfassung und Untersuchung der Nutzung verschiedener Bereiche des Grünauslaufes in Abhängigkeit verschiedener Einflussgrößen (Jahreszeit, Tageslänge, Standort, Strukturierung des Auslaufs).
In mehreren Aufzeichungsperioden über zwei Jahre (alle Jahreszeiten) werden bei zwei Herden mit unterschiedlicher Auslaufstrukturierung zeitgleich von repräsentativen Flächen digitale Bilder in definierten Intervallen (z.B. 1 Bild/Minute) erstellt. Hierzu werden vier Digitalkameras in sechs bis zehn Meter Höhe montiert und von PC´s gesteuert ausgelöst und abgefragt. Die erstellten hochauflösenden Farbbilder werden anschließend von einem Bildanalyse­system automatisch ausgewertet. Dabei sollen sowohl die Anzahl der Hühner als auch deren Koordinaten bestimmt werden, so dass auch innerhalb des erfassten Areals eine Verteilung der Tiere ermittelt werden kann. In Abhängigkeit des Automatisierungsgrades der Tiererkennung bei wechselnden Umgebungsverhältnissen wird die Intensität der bildanalytischen Auswertung durch weitere Variationen erhöht.


Teilprojekt Produktqualität
Lehrstuhl für Tierhygiene an der TUM
Prof. Dr. J. Bauer, Eva Maria Schmid

„Vergleichende Untersuchungen zum bakteriellen Status von Legehennen und Eiern aus ökologischer und konventioneller Haltung“

Ziel ist es, das Vorkommen bakterieller Zoonoseerreger wie Salmonella Serovaren, Campylobakter-Arten (C. coli, C jejuni) und Listeria monocytogenes in verschiedenen Systemen der Legehennenhaltung zu überprüfen. Dazu werden Vergleichende Untersuchungen an  konventionell und ökologisch wirtschaftenden Betrieben mit Käfig-, Boden- und Freilandhaltung durchgeführt.
Zudem wird eine Prüfung des Resistenzverhaltens gegenüber Antibiotika und eine Beurteilung des Einflusses der Bewirtschaftungsform auf die Resistenzentwicklung bakterieller Zoonoseerreger angestrebt.
 


Forschungsprojekt "Futterstrategien"

"Fütterungsstrategien für Legehennen in Haltungssystemen mit Grünbewuchs im Auslauf"

Parallel zum Verbundprojekt „Naturnahe Betriebs- und Haltungssysteme für Hühner“ wird bereits seit 2002 ein im Rahmen des Bundesprogramms „Ökologischer Landbau gefördertes Projekt des Fachgebiets für Tierernährung und Leistungsphysiologie an der TUM (Prof. Dr. F.X. Roth) durchgeführt. Zielsetzung des Forschungsprojektes war es, Fütterungsstrategien für Legehennen in mobilen Haltungssystemen mit Grünbewuchs im Auslauf zu untersuchen, um Daten zum Leistungsgeschehen und zur optimalen Rationsgestaltung abzuleiten.

Bisherige Ergebnisse:
Im ersten Versuchsabschnitt von Dezember bis März wurde die Fütterung mit einem Alleinfutter mit der kombinierten Fütterung bei Auslaufhaltung verglichen. Bei der kombinierten Fütterung wurde Ergänzungsfutter ad libitum vorgelegt und Weizen auf max. 70 g/Tier/Tag begrenzt. Erfasst wurden Legeleistung, Futterverzehr, Eiqualität und Klimadaten. Gegenüber der Alleinfütterung verbesserte die kombinierte Fütterung die Legeleistung signifikant bei leicht erhöhtem Futterverzehr. Unterschiede in der Ei­qualität bestanden nicht. Tiefe Stalltemperaturen waren ohne Einfluss auf die Lege­leistung, erhöhten aber den Futterverzehr. Im zweiten Versuchsabschnitt von April bis August wurde die Wirkung des Grünbewuchses im Auslauf bei kombinierter Fütte­rung untersucht. Der Grünauslauf führte zu einer verbesserter Legeleistung (+3,5%) bei leicht nied­rigerem Futterverzehr (-2,8%). Die Dotterfarbe der Eier war intensiver. Hohe Stalltemperatu­ren des Jahres 2003 wirkten sich ungünstig auf Legeleistung, Futterverzehr und Körpergewicht der Hennen aus.

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2. Forschungsbereich Ökonomische Bewertung der Legehennenhaltung

Produktionskostenvergleich zwischen einem Ei aus Käfig- und aus ökologischer Haltung

Aufgrund der Vorschriften der ökologischen Anbauverbände sind bei der ökologischen Hühnerhaltung folgende Mindeststandards zu berücksichtigen:
Zugelassen sind nur Boden- oder Volierensysteme, bei denen 1/3 der begehbaren Fläche mit Streumaterial in Form von Sand, Stroh, Holzspänen eingestreut ist. Pro qm begehbare Fläche dürfen max. 6 Hennen gehalten werden. Die Fläche des integrierten Auslaufs darf mit 100 % angerechnet werden. Bezogen auf die Stallgrundfläche im Innenbereich dürfen jedoch maximal zusätzlich drei Tiere pro qm zusätzlich für die Auslauffläche gehalten werden. Zusätzlich ist ein Grünauslauf von 4 qm je Henne vorgeschrieben. 
Der gesamte Stall muß ausreichend ausgeleuchtet sein, wobei 8 Stunden Nachtruhe ohne Beleuchtung eingehalten werden muß.
Jedem Tier steht eine Sitzstangenlänge von 18 cm zu. 
Um den artgerechten Verhaltensweisen der Hühner gerecht zu werden, müssen sowohl Nester zur Eiablage als auch eine Möglichkeit zum Sandbaden vorhanden sein.
Bei der Fütterung müssen folgende Dinge beachtet werden: es darf max. ein Anteil von 20 % konventionell erzeugtem Futter verwendet werden, außerdem muß ein Getreideanteil von 65 % in der Gesamtration enthalten sein.
Daraus ergeben sich für die Berechnung der Futter- und Haltungskosten folgende Beiträge: 
 
 Produktionskosten in der Legehennenhaltung (in €)
Käfig
ökol.

Marktleistung
Legeleistung, Eier/Henne u. J.
280 260

Kosten Junghenne, €/St.
3,5 6,7
Junghenne pro Ei, Ct./Ei
1,25 2,38

Futterverbrauch, g/Ei
150 170
Futterkosten, €/dt
18 41
Futterkosten, €/Henne u. J.
7,6 18,1
Futter pro Ei, Ct./Ei
2,70 6,97

Sonst. Var, Kosten, €/St.
1,5 1,5
Sonst. Var. Kosten, Ct./Ei
0,54 0,58

Kosten Stallgebäude
   
Anschaffungswert, €/Pl.
15,3 33,2
Nutzungsdauer, Jahr
10 12,5
Abschreibung, %
10,0 8,0
Zinssatz, %
6 6
Kapitalbindung, %
59,8 59,8
Vers., Rep.etc., %
2 2
J. Kosten in v.H. des AW
15,6 13,6
Jährl. Kosten Platz, €/Pl.
2,39 4,51
Jährl. Kosten Platz, Ct./Ei
0,90 1,73

Kosten Einrichtungen, Geräte
   
Anschaffungswert, €/Pl.
7,5 15
Nutzungsdauer, Jahr
7 8
Abschreibung, %
14,3 12,5
Zinssatz, %
6 6
Kapitalbindung, %
60,5 60,5
Vers., Rep.etc., %
2 2
J. Kosten in v.H. des AW
19,91 18,13
Jährl. Kosten Platz, €/Pl.
1,5 52,7
Jährl. Kosten Platz, Ct./Ei
0,54 1,05

Kosten Arbeit
   
Arbeitsbedarf, Akh/Henne u. J.
0,2 0,5
Lohnansatz, €/Akh
12,8 12,8
Arbeitskosten je Henne u.J., €
2,6 6,4
Arbeitskosten, Ct./Ei
0,92 2,46

Produktionskosten ohne Vermarktung, Ct./Ei
6,85 15,17

Kosten Vermarktung
   
Sortierung, Verpackung, Kennz., Ct./Ei
0,10 3,50

Arbeitsbedarf Vermarktung, Akh/Henne u. J.
0,02 0,2
Lohnansatz, €/Akh
12,8 12,8
Arbeitskosten je Henne u.J., €
0,26 2,56
Vermarktung Arbeitskosten, Ct./Ei
0,10 0,98

Produktionskosten insg., Ct./Ei
7,05 19,63

Der Hauptunterschied zu einem in Käfighaltung produzierten Ei ergeben sich aus den höheren Futterkosten, der Mehrarbeit, dem artgerechten Stall und der Einrichtung. 


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3. Forschungsbereich Rassenvergleich

Welche Rasse eignet sich für Mast- und Legeleistung gleichermaßen?

Die Anforderungen an eine möglichst produktive Legehennenhaltung oder Geflügelmast führten dazu, dass Hühnerrassen, die früher als Zweinutzungsgeflügel gehalten wurden, heute kaum mehr verbreitet sind. Die Leistungsansprüche konnten nur durch gezielte Zucht und Selektion erreicht werden. Diese Höchstleistung wird vielfach auf Kosten einer artgerechten Tierhaltung und auf Kosten der Tiergesundheit erreicht. Legerassen sollen möglichst leicht sein, um den Erhaltungsbedarf der Tiere zu reduzieren. Bei den Masthähnchen bleibt das Wachstum des Bewegungsapparates gegen über dem Muskelfleischansatz zurück. „Es ist belegt, dass mit der Leistungssteigerung unter anderem Knochenerweichung ,- verkrümmungen und – brüche, erhöhte Morbidität und Mortalität sowie Verhaltensstörungen (Federpicken, Kannibalismus, Pulkbildung mit Erdrücken) einhergehen.“ (ÖKOLOGIE UND LANDBAU 4/98, S.108)
Da sich höchste Mast- und Legeleistung gegenseitig ausschließen, bedeutet dies in der Praxis, dass die männlichen Küken der Legerasse nach dem Schlüpfen getötet werden. Das gleiche Los erwartet die weiblichen Küken der Mastrasse.
In Zusammenarbeit mit dem Schweizer Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FIBL) und der Versuchsstation Thalhausen der TU München wurden unterschiedliche Linien im Hinblick auf ihre Eignung als Zweinutzungsgeflügel untersucht. In Viehhausen erfolgte die Leistungsprüfung bezüglich der Legeeigenschaften und die Versuchsstation Thalhausen führte parallel dazu die Mastleistungsprüfung durch.

Tetra – H 

Bovan-Nera


Ergebnisse der Leistungsprüfung :

Mit 240 Eiern (Tetra H) bzw. 255 (Bovan Nera) Eiern bezogen auf 357 Futtertage, liegen beide Herkünfte auf einem Niveau, das zu Beginn des Versuches geringer eingeschätzt wurde. Neben der Legeleistung spielten jedoch insbesondere der Futterverbrauch und die erzielte Sortierung eine entscheidende Rolle.
Hier schnitten die leichten Bovan Nera günstiger ab als die schweren Tetra- H.
Da für Schlachthühner allenfalls bei der Direktvermarktung mit einem entsprechenden Verkaufserlös kalkuliert werden kann, schneidet die Herkunft Tertra- H aufgrund der höheren Futterkosten und der geringeren Legeleistung schlechter ab als die Herkunft Tetra- H.
Unter weitgehend gleichen Umweltbedingungen fiel die Herkunft Bovan Nera im Vergleich zu Tetra- H durch starkes Federpicken auf. Aus diesem Grund wurde bei dieser Gruppe eine Mauser eingeleitet. Fälle von Kannibalismus konnten jedoch nicht beobachtet werden.
Die Tierverluste waren bei Bovan Nera mit 9,7 % deutlich größer als bei Tetra- H (6 %). Die Verluste verteilten sich bei beiden Gruppen weitgehend gleichmäßig über die Legeperiode. Es liegt der Schluß nahe, dass Tertra- H aufgrund des höheren Körpergewichtes widerstandsfähiger ist, als die leichteren und aggressiveren Bovan Nera.


Ausgewählte Kennzahlen der Zweinutzungsrassen in Viehhausen


  Bovan- Nera Tetra-H
Legeleistung (Eier/Tier) 
357 Futtertage 
255 240
Legeleistung in %  67,9  63,9
Sortierung in %:
XL
L
M
S
sonst.

3,1
29,7
53,0
7,5
6,7

2,7
28,0
53,1
9,9
6,3
g Futter je Tag und Henne  122,8 135,2
g Legemehl je Ei 171,94 201,03
€/ dt Legemehl  40,48  40,48
Futterkosten in Ct. Je Ei 6,96 8,14
Futterkosten in € je Henne u.
Legeperiode 
17,75 19,54

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