08.12.2015 13:16 Alter: 4 yrs

Agro-Biodiversität messen ist günstiger als gedacht

Wie kann man Artenvielfalt auf europäischen Feldern so messen, dass die Ergebnisse für Landwirte aussagekräftig, wissenschaftlich glaubwürdig und zugleich kostengünstig sind? Die Antwort gibt ein internationales Forscherteam, in dem der Lehrstuhl für Ökologischen Landbau und Pflanzenbausysteme der Technischen Universität München (TUM) beteiligt war: Ein europäisches Agro-Biodiversitätsmonitoring ist mit wenig Aufwand machbar und würde nur einen kleinen Teil der EU-Agrarfördergelder in Anspruch nehmen.

Erfassung der Pflanzenarten in einem Maisacker in Bayern (Bild: Sebastian Wolfrum / TUM)

Erfassung der Pflanzenarten in einem Maisacker in Bayern (Bild: Sebastian Wolfrum / TUM)

Im ersten Schritt befragten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des EU-Forschungsprojekts “Indikatoren für Biodiversität in biologischen und extensiven Landwirtschaftssystemen (BIOBIO)“ europaweit erfahrene Praktiker aus Agrarverbänden, Naturschutz und Verwaltung: Von welchen Indikatoren der Artenvielfalt erwarten diese den höchsten Mehrwert für ihre Zwecke? Aus den Antworten erstellte das Team ein minimales Set an notwendigen Messgrößen: Es beinhaltet einerseits Informationen über Lebensräume, Pflanzenarten und die landwirtschaftliche Praxis, andererseits Indikatoren über Wildbienen, Regenwürmer und Spinnen als Artengruppen, die wichtige Ökosystemdienstleistungen erbringen.

Dieses Indikatoren-Set haben sie anschließend europaweit auf 200 landwirtschaftlichen Betrieben in 12 länderspezifischen Fallstudien getestet. Das Ergebnis: Die wenigen Messgrößen ergänzen sich so gut, dass sie größere Veränderungen in der Agro-Biodiversität sichtbar machen können. Und das zu geringen Kosten: Als das Team zum Schluss neun Umsetzungsvarianten eines Agro-Biodiversitätsmonitorings für die EU berechnete, ergaben ihre Kostenschätzungen, dass die Varianten 0,01 – 0,74% des Gesamtbudgets der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) in Anspruch nehmen würden bzw. 0,04 – 2,48% desjenigen Anteils des GAP-Budgets, der ausdrücklich für die Erreichung von Umweltzielen eingesetzt wird. Die Wissenschaftler folgern, dass ein EU-weites Monitoring der Artenvielfalt in der Landwirtschaft nur einen bescheidenen Anteil des GAP-Budgets beanspruchen würde. Trotz der einfachen und günstigen Messung könnte man die Ergebnisse der einzelnen Mitgliedsländer zu einem kohärenten europäischen Gesamtbild zusammenfügen.

Sebastian Wolfrum vom TUM-Lehrstuhl für Ökologischen Landbau und Pflanzenbausysteme, der die Fallstudie in Deutschland bearbeitet hat, erklärt: „Wir haben uns an diesem Projekt beteiligt, um die Arten- und Lebensraumvielfalt der bayerischen Agrarlandschaft langfristig zu verbessern. Unsere Erkenntnisse sollen dabei helfen, die Wirksamkeit betrieblicher Agrarumweltmaßnahmen zu beurteilen, sie falls nötig anzupassen und somit den Einsatz staatlicher Fördermittel zu optimieren. Unsere Ergebnisse sind vielversprechend, aber es liegt nun an der Politik, etwas daraus zu machen.“

 

Publikation:
Geijzendorffer, I.R., Targetti, S., Schneider, M.K., Brus, D.J., Jeanneret, P., Jongman, R.H.G., Knotters, M., Viaggi, D., Angelova, S., Arndorfer, M., Bailey, D., Balázs, K., Báldi, A., Bogers, M.M.B., Bunce, R.G.H., Choisis, J.-P., Dennis, P., Eiter, S., Fjellstad, W., Friedel, J.K., Gomiero, T., Griffioen, A., Kainz, M., Kovács-Hostyánszki, A., Lüscher, G., Moreno, G.,  Nascimbene, J., Paoletti, M.G., Pointereau, P., Sarthou, J.-P., Siebrecht, N., Staritsky, I., Stoyanova, S., Wolfrum, S. & Herzog, F. (2015) How much would it cost to monitor farmland biodiversity in Europe? Journal of Applied Ecology.
Doi: 10.1111/1365-2664.12552

Kontakt:
Dipl.-Ing. Sebastian Wolfrum
Technische Universität München
Lehrstuhl für Ökologischen Landbau und Pflanzenbausysteme
Tel.: +49 8161 / 71-2521
E-Mail: sebastian.wolfrum[at]tum.de