28.05.2020 10:17 Alter: 46 days

Städtische Bestäuber - Wildbienen in Freising

Julie Weissmann, die am Wissenschaftszentrum Weihenstephan der Technischen Universität München (TUM) an der Professur für Biodiversität der Pflanzen von Prof. Hanno Schäfer zum Thema „Wildbienen in Freising“ forscht, gibt erste Einblicke in die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit.

Efeu-Seidenbiene

Efeu-Seidenbiene an Efeu (Foto: Julie Weissmann)

KB: Sie forschen an der Technischen Universität München an der Professur für Biodiversität der Pflanzen zum Thema Wildbienen in Freising. Könnten Sie uns Ihr Projekt kurz beschreiben?

JW: Das Projekt “Städtische Bestäuber – Wildbienen in Freising” widmet sich seit März 2018 der Untersuchung von Bestäubungsvorgängen in Freisinger Gärten unter Einbeziehung der Bevölkerung. Freising ist besonders geeignet für die Wildbienenforschung, weil hier auf engem Raum städtische Elemente, naturnahe Bereiche wie die Isarauen, und von landwirtschaftlicher Nutzung geprägte Flächen wie innerstädtische Streuobstwiesen und eine Vielfalt an Gemeinschafts-, Klein- und Privatgärten zusammentreffen. Die Größe der Stadt ermöglicht es dabei, eine vergleichende Sicht auf diese Habitate mit einer ganzheitlichen Perspektive auf das Stadtgefüge zu verbinden. Die hohe Dichte an gärtnerisch genutzten Flächen fördert ein integriertes Erforschen von Wildbienendiversität und Bestäubungssicherheit im städtischen Raum.

KB: Welches sind die zentralen Ergebnisse Ihres Projekts?

JW: Erstens können Städte zum Schutz spezialisierter Wildbienenarten beitragen. Neu angelegte Blühflächen für besondere Wildbienen wurden z.T. bereits im Jahr der Pflanzung besiedelt. Zweitens sind Wildbienen wichtig für die Bestäubung unserer Obstgewächse. Wildbienengemeinschaften an Obstgewächsen wie Zwetschge, Kirsche, Apfel, Birne, Erdbeere, Himbeere und Brombeere, machen oft mehr als die Hälfte der Blütenbesuche aus und bestehen aus Arten mit unterschiedlichsten Lebensraumansprüchen von den sozial lebenden Hummeln, kommunal lebenden und bodennistenden Sand- und Schmalbienen, bis zu den solitär lebenden stängelnistenden Maskenbienen und hohlraumnistenden Mauerbienen.

Um den Einstieg in die Wildbienen-Bestimmung für citizen scientists zu erleichtern, haben wir eine Feld-Bestimmungshilfe für die Wildbienen Bayerns entwickelt, die auf großes Interesse stößt.

KB: Gab es etwas Überraschendes?

JW: Wir konnten 152 Wildbienenarten für Freising nachweisen, darunter unerwartete Arten wie die Efeu-Seidenbiene und die Blauschwarze Holzbiene. Beide Arten verbreiten sich aktuell Richtung Norden und finden sich auch aufgrund des wärmeren Mikroklimas verhältnismäßig häufig in Städten. Von nur drei Meldungen der Blauschwarzen Holzbiene im Rahmen unserer Mitmach-Aktion stammt eine von einem Grundschulkind im Rahmen einer der von uns angebotenen Exkursionen – jeder kann einen Beitrag zur Wildbienenforschung leisten!

KB: Es gibt rund 585 in Deutschland beheimatete Wildbienenarten. Hat Freising nun eher viele oder eher wenige Bienenarten für eine Stadt dieser Größe?

JW: Der aktuelle Stand unserer Auswertungen mit bisher rund 150 Arten auf dem Isardamm, Brachflächen, Streuobstwiesen und in Privatgärten innerhalb der Stadt weist darauf hin, dass sich in Freising - ähnlich wie in anderen Städten - durchaus artenreiche Standorte finden, die auch zum Teil seltenen und gefährdeten Arten einen Lebensraum bieten.

Das Interview führte Dr. Katharina Baumeister (Corporate Communications Center, TU München).


Hier finden Sie weitere Informationen zum Projekt.