30.07.2020 10:45 Alter: 7 days

Antikörper aus der Kuh - Nachwuchswissenschaftler mit dem Deutschen Studienpreis der Körber-Stiftung ausgezeichnet

Immer mehr antibiotika-resistente Bakterien stehen mittlerweile im Zusammenhang mit jährlich mehr als 700.000 assoziierten Todesfällen. Setzt sich dieser Trend fort, könnten bis 2050 jährlich 10 Millionen Todesfälle auf antibiotika-resistente Bakterien zurückzuführen sein. Höchste Zeit, Alternativen zu herkömmlichen Antibiotika zu erforschen.

Dr. Heidebrecht erhält den Deutschen Studienpreis der Körberstiftung für eine Disseration zum Thema Antikörper aus der Kuh.

Dr. Hans-Jürgen Heidebrecht wurde für seine Dissertation mit dem 2. Platz beim Deutschen Studienpreis der Körber-Stiftung ausgezeichnet (Bild: Körber-Stiftung)

Dr. Hans-Jürgen Heidebrecht, Mitarbeiter am Lehrstuhl für Lebensmittel- und Bio-Prozesstechnik der TUM School of Life Sciences Weihenstephan, hat in seiner Dissertation die verfahrenstechnischen Voraussetzungen erarbeitet, um neue Produkte auf Basis spezieller Kuh-Antikörper zu entwickeln. Diese sollen als Medikamenten-Ersatz für Antibiotika zur Behandlung bakterieller Infektionen eingesetzt werden. Für diese Arbeit wurde Dr. Heidebrecht nun mit dem 2. Platz des Deutschen Studienpreises der Körber-Stiftung ausgezeichnet.

Kühe als Bioreaktor


Gemeinsam mit Prof. Dr. Ulrich Kulozik vom Zentralinstitut für Ernährungs- und Lebensmittelforschung (ZIEL) an der Technischen Universität (TU) hat Dr. Heidebrecht neuartige Verfahrenskonzepte entwickelt, mit denen es möglich ist, spezifische Antikörper aus der Milch anzureichern oder zu isolieren, so dass sie unter anderem als Ersatz für Antibiotika eingesetzt werden können.

In Zusammenarbeit mit Prof. Michael Pfaffl vom Lehrstuhl für Tierphysiologie und Immunologie der TUM School of Life Sciences wurden Kühe an der Versuchsstation Veitshof mit inaktivierten menschlichen Krankheitserregern geimpft. „Sie produzieren daraufhin spezifische Antikörper und geben diese zum Teil in die Milch ab“, erklärt Dr. Heidebrecht das Grundprinzip.

„Die Kuh ist quasi unser Bioreaktor und wir verändern zielgerichtet ihr natürliches Immunsystem. Mit dieser Plattformtechnologie lassen sich Antikörper zur Behandlung von allen denkbaren Infektionen erzeugen, solange die Applikation nicht in der Blutbahn ist“, erläutert Heidebrecht.

Schonendere Behandlung von Krankheiten

Die Antikörper aus der Kuh haben noch einen weiteren Vorteil: Anders als unspezifische Antibiotika greifen sie die gesunde Darmflora nicht an. Versuche im Tiermodell haben gezeigt, dass bei der Verwendung der Kuh-Antikörperprodukte, die Vielfalt der mikrobiellen Mitbewohner im Darm auch während der Therapie erhalten bleibt. „Damit ist es möglich, die orale Verabreichung der Antikörperprodukte nicht nur für die akute Behandlung von Darminfektionen einzusetzen, sondern auch zur Vermeidung eines Rückfalls “, so Dr. Heidebrecht.

Die Prozesse zur Anreicherung und Isolation wurden bereits entwickelt und die Effektivität im Tiermodell bestätigt. Für die weitere Umsetzung hat Dr. Heidebrecht eine Firma gegründet.


Über den Deutschen Studienpreis
Der Deutsche Studienpreis der Körber-Stiftung zeichnet jährlich herausragende Nachwuchs-Wissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler aller Fachrichtungen aus. Neben der fachwissenschaftlichen Exzellenz zählt vor allem die spezifische gesellschaftliche Bedeutung der Forschungsbeiträge. 489 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten in diesem Jahr einen Beitrag eingereicht, 31 wurden nominiert und präsentieren in der Filialrunde des Wettbewerbs ab ihre Forschungen vor der Jury. In den drei Sektionen Sozialwissenschaften, Natur- und Technikwissenschaften sowie Geistes- und Kulturwissenschaften wird jeweils ein Spitzenpreis à 25.000 Euro und zwei zweite Preise in Höhe von 5.000 Euro vergeben.

Der Deutsche Studienpreis zählt damit zu den höchstdotierten wissenschaftlichen Nachwuchspreisen in Deutschland. Schirmherr ist Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble. Am 8. Dezember verleiht er den Deutschen Studienpreis 2020 in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft in Berlin.

Publikation:
https://www.dr.hut-verlag.de/9783843942683.html


Mehr Informationen:

Das Projekt wurde 2019 bereits durch die DLG durch den Innovationspreis „Junge Ideen“ ausgezeichnet und war für den Otto von Guericke Preis nominiert.

Hier geht es zum Wettbewerbsfilm: "Bioreaktor Kuh - Antikörper aus der Kuhmilch ersetzen Antibiotika" 

 

Redaktion:
Susanne Neumann
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit WZW
E-Mail: susanne.neumann[at]wzw.tum.de
Tel.: 08161.71.3207

Wissenschaftlicher Kontakt:
Dr. Hans-Jürgen Heidebrecht
Lehrstuhl für Lebensmittel- und Bio-Prozesstechnik
E-Mail: hans-juergen.heidebrecht[at]tum.de
Tel.: 08161.71.3536