07.09.2022 12:32 Alter: 17 days

Der erste Schritt auf dem Weg von der ungenauen Arzneimitteltherapie zur Präzisionsmedizin - REPO4EU's Euro/Global Platform for Drug Repurposing

Kategorie: Forschung

Medikamente wirken oft nicht zielgenau. Infolgedessen werden häufig eher die Symptome einer Krankheit als ihre molekulare Ursache behandelt. Im Projekt REPO4EU entwickeln Forschende unter Beteiligung der Technischen Universität München (TUM) eine Plattform für die datengestützte Empfehlung von Arzneimitteln. Dabei spielt das so genannte Drug Repurposing – die Wiederverwendung von Arzneimitteln in neuem Kontext - eine zentrale Rolle. Es werden also neue Verwendungsmöglichkeiten für bestehende Medikamente untersucht.

Im Projekt REPO4EU soll eine europäische Online-Plattform für validierte Präzisionsarzneimittelverwendung auf- und ausgebaut werden. (Bild Ulleo/Pixabay)

Das Ziel von REPO4EU ist der Auf- und Ausbau einer europäischen Online-Plattform für validierte Präzisionsarzneimittelverwendung. Diese Plattform soll eine globale Reichweite erlangen und als zentrale Datendrehscheibe für wichtige Informationen, Schulungsressourcen, Matchmaking und Kooperationen im Bereich der Verwendung von Arzneimitteln fungieren.

Die Plattform wird umfangreiches Fachwissen über die gesamte Wertschöpfungskette der Arzneimittelumsetzung bereitstellen: von der Analyse der Betriebserlaubnis über den Schutz des geistigen Eigentums und die Geschäftsentwicklung bis hin zur Bewertung von Gesundheitstechnologien und Überlegungen zur Ethik und Datenverwaltung.

Umwidmung von Arzneimitteln

In den nächsten sieben Jahren werden 28 Partner aus zehn Ländern (Niederlande, Deutschland, Österreich, Spanien, Schweden, Rumänien, Belgien, Portugal, Schweiz und Vereinigte Staaten) ihre Kräfte bündeln, um eine einzigartige Plattform für die Wiederverwendung von Arzneimitteln zu schaffen, in der Interessengruppen und Fachwissen auf globaler Ebene zusammengeführt werden, um eine vollwertige Infrastruktur für die Wiederverwendung von Arzneimitteln zu schaffen.

Obwohl die Investitionen in die Arzneimittelforschung seit den 1980er Jahren exponentiell angestiegen sind, stagniert dem REPO4EU-Team zufolge die Gesamtwirksamkeit im pharmazeutischen Sektor - es gebe derzeit keine Möglichkeit, zwischen Patientinnen und Patienten zu unterscheiden, die davon profitieren, und solchen, die es nicht tun. Auch unerwünschte Nebenwirkungen lassen sich nicht zuverlässig vorhersagen. Als Ursache dafür wird ein konzeptionelles Problem bei der Definition von Krankheiten gesehen. Krankheiten werden daher eher symptomatisch und ungenau behandelt.

Krankheiten mit hoher Präzision heilen

Der REPO4EU-Ansatz soll das Potenzial der Arzneimittelumwidmung ausschöpfen, indem Big Data, auf künstlicher Intelligenz basierende Bioinformatik und Netzwerkwissenschaft mit fortgeschrittener Chemieinformatik kombiniert werden, um Krankheiten auf der Grundlage von Mechanismen neu zu definieren und Arzneimittel über ihr ursprüngliches Ziel hinaus umzuwidmen.

Die Gruppe Big Data in BioMedicine, die von Dr. Markus List an der TUM School of Life Sciences geleitet wird, wird zu diesem Projekt mit ihrer Expertise in computergestützter Systembiologie und Netzwerk-Pharmakologie beitragen. „Die Gruppe wird an der Integration großer, qualitativ hochwertiger Omics-Daten mit modernsten statistischen Modellen und Vorwissen über molekulare Wechselwirkungen aus öffentlichen Datenbanken arbeiten“, sagt Dr. List.

Mehr Informationen:

Das Projekt REPO4EU wird durch das Forschungs- und Innovationsprogramm Horizont Europa der Europäischen Union gefördert.

 

Redaktion:
Dr. Katharina Baumeister
Technische Universität München
Corporate Communications Center
Tel. +49 8161 71 5403
katharina.baumeister[at]tum.de

Wissenschaftlicher Kontakt:
Dr. Markus List
TUM School of Life Sciences
Head of the Big Data in BioMedicine Group, Chair of Experimental Bioinformatics, Acting Vice Dean Information Management
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